Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


bootstechnik:ruder:dollenring

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
bootstechnik:ruder:dollenring [2016/12/23 09:12] veronikaebertbootstechnik:ruder:dollenring [2026/04/15 14:00] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 1: Zeile 1:
 +====== Verstellung des Dollenrings - Hebelverhältnisse ======
 +
 +{{:bootstechnik:ruder:dollenring2.jpg?900|}}
 +
 +//Verstellung des Dollenrings - Verkürzung des Innenhebels, wenn der Dollenring zum Griff bewegt wird; Verlängerung des Innenhebels, wenn der Dollenring vom Griff weg bewegt wird.//
 +
 +
 +----
 +
 +
 +Die Verstellung des Dollenrings verändert das **Verhältnis zwischen der Länge des Außenhebels: Länge des Innenhebels**.
 +
 +Diese Einstellung entspricht der Wahl des Kranzes beim Fahrradfahren, dem Gang des Autos oder Motorrad.
 +
 +
 +----
 +
 +
 +Die** Hebelverhältnisse beeinflussen die Kraft**, die vom Ruderer/der Ruderin aufgebracht werden muss, entscheidend.
 +
 +Dabei gilt:
 +
 +  * Je **kürzer der Innenhebel** im Verhältnis zum Außenhebel, desto **mehr Kraft** ist erforderlich, um das Ruder zu beschleunigen.
 +
 +  * Je **länger der Innenhebel** im Verhältnis zum Außenhebel, desto **weniger Kraft** ist erforderlich, um das Ruder zu beschleunigen.
 +
 +{{:bootstechnik:ruder:innenhebellaenge2.jpg?900|}}
 +
 +//Kurzer (harter) Hebel (rot), langer (leichter) Hebel (grün)//
 +
 +
 +----
 +
 +
 +Bei gleichbleibender Ruderlänge wird durch die Verstellung des Dollenrings nicht nur der Widerstand, sondern auch der Arbeitswinkel beeinflusst:
 +
 +  * Je länger der Innenhebel, desto geringer wird der erreichbare Auslagewinkel
 +
 +{{:bootstechnik:ruder:innenhebellaenge.jpg?700|}}
 +
 +//Veränderung des Arbeitswinkels durch einen längeren Innenhebel. Ein längerer Innenhebel verringert den Auslagewinkel (links), ein kürzerer verlängert ihn (rechts)// 
 +
 +----
 +
 +
 +In der Praxis ist es deshalb besser, nicht die Innenhebellänge, sondern  die **[[bootstechnik:ruder:ruderlaenge|Gesamtlänge der Ruder zu verändern]]**, wenn die Hebelverhältnisse verändert werden sollen.
 +
 +Wenn das System innerhalb der Dolle - Dollenabstand, Innenhebellänge - annähernd unverändert ist, bleibt der gewohnte Arbeitswinkel erhalten, und es ändert sich nur die Länge des Außenhebels. Nur so hat der Ruderer/die Ruderin gleichbleibende Arbeitsbedingungen - Auslagewinkel, Endzugwinkel. Die Verstellung des Dollenrings alleine ist eine einfache und rasche Möglichkeit, die Hebelverhältnisse zu verändern, stellt jedoch nicht das Optimum dar.
 +
 +
 +
 +
 +----
 +
 +
 +Den **Wiederstand**, den ein Ruderer/eine Ruderin empfindet, hängt  nicht nur von den Hebelverhältnissen ab, sondern wird auch durch andere Einflussgrößen gesteuert:
 +
 +  * Je weiter das **Stemmbrett** Richtung Heck gestellt ist, desto mehr Kraft ist erforderlich, um die Ruder zu beschleunigen (größerer Auslagewinkel)
 +  * Je größer das **Ruderblatt**, desto mehr Kraft ist erforderlich, um das Ruder zu beschleunigen
 +  * Je **geringer die Geschwindigkeit des Ruders beim Wasserkontakt**, desto mehr Kraft ist erforderlich, um die Ruder zu beschleunigen
 +  * Wird **mit der Strömung** gerudert, ist** mehr Kraft** erforderlich, als wenn gegen die Strömung gerudert wird - gehen Strömung und Ruderblatt in entgegengesetzte Richtungen, ist mehr Widerstand zu überwinden
 +
 +
 +----
 +
 +
 +
 +Empfehlungen für **Standardeinstellungen**:
 +
 +Der **Außenhebel sollte etwa 2 m** betragen, für schnelle Boote (Mannschaftsboote) kann er etwas länger sein, für Kleinboote etwas geringer.
 +
 +Körpergröße Innenhebel  (moderne Blattform)*
 +  * < 160 cm 85-86
 +  * 160-175 cm 86-88
 +  * 175-190  88-89
 +
 +Entschiedend für die Wahl des Hebelverhältnisses ist in jedem Fall, dass der Ruderschlag **[[schlagzyklus:allgemein:dynamik|dynamisch]]** durchgeführt werden kann. Die Geschwindigkeit des Ruderblatts im Wasser sollte im Verlauf des Schlages keinesfalls abnehmen.
 +
 +
 +----
 +
 +
 +Es ist sehr häufig zu beobachten, dass Jugendliche, Breitensportler/innen oder Mastersruderer/innen mit zu harten Hebeleinstellungen unterwegs sind. Die Ruder, die von Rennmanschaften verwendet werden/worden sind, werden einfach in den übrigen Sportbetrieb übernommen - ohne die geänderten physischen Voraussetzungen zu berücksichtigen.
 +
 +In vielen Fällen gilt daher: **Weniger, sprich leichtere Hebeleinstellungen, sind mehr!**
 +
 +
 +----
 +
 +
 +Die Verstellung des Dollenrings beeinflusst auch den **[[bootstechnik:ruder:ueberriff|Übergriff]]** (Länge der Überlappung der beiden Ruder in Griffnähe). 
 +
 +
 +----
 +
 +
 +Bei **zu harten Hebeleinstellungen** können folgende Fehler beobachtet werden:
 +
 +  * die Bewegungsgeschwindigkeit ist zu gering für einen dynamischen Schlag. Der Schlag wirkt kraftvoll, aber **statisch**. Der Rudersch**schlag** wird zum Ruder**schub**.
 +  * Der Oberkörper verspannt sich beim Einsatz als Reaktion auf den zu hohen Druck - der Ruderer/die Ruderin [[schlagzyklus:fehler:einsatz|"klammert"]]. 
 +
 +
 +----
 +
 +
 +Zu harte Hebeleinstellungen werden oft **durch zu rasches Vorrollen kompensiert**, weil die Ruderer/innen eine definierte Schlagzahl aufrecht zu erhalten.
 +
 +Es ist ratsam, hier zu variieren. Wer Rennen fährt, sollte die Ruder über die späteren Renndistanz ausprobieren und beobachten, ob der gewünschte Rhythmus realisiert werden kann.
 +
 +Standardmäßig sollten die Rudereinstellungen eine Erhöhungen der Schlagzahl auf z.B. 25-30 Schläge/Minute ermöglichen, ohne dass der Schlag dabei an Dynamik verliert.
 +
 +
 +----
 +
 +**[[bootstechnik:ruder:verstellmoeglichkeiten|⇐ Verstellmöglichkeiten der Ruder]]**
 +
 +**[[bootstechnik:allgemein: ruder_bootstechnik|⇐ Bootstechnik]]**
 +
 +**[[:start|⇐ Home]]**
 +